Warum?
Kurze Geschichte des Kunstdüngers:
🏭 Das Haber-Bosch-Verfahren (ab 1909)
- Fritz Haber entwickelte die Ammoniaksynthese aus Luftstickstoff und Wasserstoff (1905–1909).
- Carl Bosch industrialisierte das Verfahren — 1913 startete die erste Großanlage in Ludwigshafen.
- Damit begann die Ära des synthetischen Stickstoffdüngers, der bis heute die Basis der globalen Landwirtschaft bildet.
🚜 20. Jahrhundert bis heute
- Nach dem Zweiten Weltkrieg verbreiteten sich industriell hergestellte Dünger rasant, begünstigt durch billiges Erdöl.
- Parallel entstanden ökologische Gegenbewegungen wie die biologisch-dynamische Landwirtschaft.
🌍 Die Weltbevölkerung
Die verfügbaren historischen Daten sind nicht für jedes einzelne Jahr exakt, aber die Quellen geben robuste Näherungswerte:
- 1909: knapp über 1,7 Mrd.
- 1919: ca. 1,8–1,85 Mrd. (trotz Spanischer Grippe)
- 1929: ca. 2,0 Mrd. (nahe am dokumentierten Wert von 1927)
- 1939: ca. 2,3 Mrd. (vor Beginn des Zweiten Weltkriegs)
- 1949: ca. 2,5 Mrd. (nach dem Zweiten Weltkrieg)
- 1959: ca. 3,0 Mrd. (Beginn der „Great Acceleration“)
- 1969: ca. 3,6 Mrd. (Höchststand des globalen Bevölkerungswachstums)
- 1979: ca. 4,4 Mrd.
- 1989: ca. 5,2 Mrd.
- 1999: ca. 6,1 Mrd.
- 2009: ca. 6,93 Mrd.
- 2019: ca. 7,81 Mrd.
Ohne Kunstdünger wäre dieses Wachstum nicht möglich gewesen.
🌱 Die Vorteile
Die Einführung des Haber‑Bosch‑Verfahrens (ab 1913 industriell) war ein zivilisatorischer Wendepunkt:
- Es machte Luftstickstoff in Form von Ammoniak verfügbar.
- Damit wurde die jahrtausendealte Abhängigkeit von Mist, Kompost, Guano und Bodenfruchtbarkeit durchbrochen.
- Die Landwirtschaft konnte erstmals skalieren, unabhängig von lokalen Nährstoffkreisläufen.
- Die globale Nahrungsmittelproduktion stieg schneller als die Bevölkerung.
Viele Historiker sagen heute:
Ohne Kunstdünger wäre die Erde maximal von 3–4 Milliarden Menschen ernährbar gewesen.
Mit Kunstdünger sind es heute über 8 Milliarden.
Wir können uns heute quasi von Licht ernähren — wenn Photovoltaik das Haber‑Bosch‑Verfahren antreibt.
⚠️ Die Nachteile
1. Bodenerosion
- Überdüngung fördert übermäßiges Pflanzenwachstum, das nach der Ernte große Mengen Biomasse entzieht.
- Ohne organische Substanz verliert der Boden Humus, wird instabil und erodiert schneller.
- Monokulturen, die durch Kunstdünger erst möglich wurden, verstärken diesen Effekt.
2. Humusverlust
- Kunstdünger liefert N, P, K — aber keine organische Substanz.
- Böden verlieren Struktur, Wasserhaltefähigkeit und biologische Aktivität.
3. Nitratbelastung von Grundwasser
- Überschüssiger Stickstoff wird ausgewaschen.
- Trinkwasser muss aufwendig gereinigt werden.
4. Lachgas-Emissionen (N₂O)
- Ein extrem starkes Treibhausgas, entsteht bei der Umwandlung von Stickstoff im Boden.
5. Abhängigkeit von fossilen Energien
- Klassisches Haber‑Bosch benötigt Erdgas.
- Erst mit grünem Wasserstoff wird es wirklich nachhaltig.
6. Verlust lokaler Nährstoffkreisläufe
- Fäkalien und Küchenabfälle werden nicht zurückgeführt, sondern als Abfall behandelt.
- Dadurch entsteht ein globales Ungleichgewicht:
- Nährstoffe werden aus Böden entnommen
- landen in Städten
- und werden dort vernichtet, statt zurückzukehren.
🌿 Warum Poudrette?
Poudrette möchte WC und Kunstdünger ergänzen, nicht ersetzen.
Es möchte Aufmerksamkeit auf die Problematik lenken und Teil der Lösung sein.